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Die Frau in Rot

Eingestellt am 6. November 2014

Du stehst nur da, lasziv – ein Traum in Rot,
ich seufze lustvoll, sprach- und atemlos.
Gefährlich schaukelnd wie ein Ruderboot
wank ich zu dir und stottere: „Grandios –

durch dich wird all das ringsherum Spalier.
Ich möchte einfach nur in deiner Nähe sein,
und wenn es sein muss, auch als das Klavier,
an dem du lehnst – vielleicht auch als der Wein

im Glas, das du an deine Lippen hebst,
als Kleid, das sich an deinen Körper schmiegt,
der warme Untergrund auf dem du schwebst
und nicht zuletzt als Mann, der bei dir liegt.

Du lächelst: „Ich bin keine Standardfrau,
bin kein Pokal, den man besitzen kann,
kein Freiwild, kenne meinen Wert genau,
schenk mich nicht billig her an jedermann.

Komm her und setz dich zu mir ans Klavier.
Spiel mir ein Lied, das leis mein Herz berührt,
dann geh ich mit dir und ich zeige dir,
wie eine Frau von Welt und Stil verführt.“

Ich bin verwirrt und treff die Tasten nicht,
erröte wie das zauberhafte Kleid
an deinem schönen Leib. Mir im Gesicht
steht Panik, und ich sag: „Es tut mir leid.

Ich spiel, als wenn es um mein Leben geht,
doch wenn die Pumpe bis zum Halse pocht,
mir kalte Furcht wie Eis im Nacken steht,
und mir das Blut in meinen Adern kocht,

weil Du mit deinem wunderschönen Duft
verlockend nah und doch unnahbar bist,
dann irren meine Hände durch die Luft
und spielen irgendwie den letzten Mist.“

Du lachst und strahlst mich an mit einem Blick,
der mich die Welt um uns vergessen lässt.
Ich spür genau, jetzt gibt es kein Zurück.
Mein weißes Hemd ist schon vom Schweiß durchnässt.

Ich zieh dich an mich, und ich küsse dich,
als gäb es nach uns keine Tage mehr.
Du sträubst dich nur ein wenig. Anfänglich
kommt es mir vor, als sei da Gegenwehr.

Doch das ist alles nur ein kleines Spiel,
mit dem du mich fast in den Wahnsinn treibst.
Du schiebst dich an mich. Wird mir das zu viel?
Mein Körper bebt, als du dich an mir reibst

und deine Zunge mich um den Verstand
aus feuchten Träumen in den Wahnsinn küsst,
bis deine sorgsam manikürte Hand,
die mal ein Raubtier und mal Schlange ist,

mir wissend und noch gänzlich unerlaubt
in meine viel zu enge Hose fasst,
was mir den letzten Rest von Atem raubt.
Sie hat gerade so hineingepasst,

da spüre ich, wie siedend heiß die Lust
aus meinen Lenden jäh ins Beinkleid jagt,
hab Angst und das Gefühl, dass mir die Brust
gleich platzt und mir das Herz den Dienst versagt.

Doch plötzlich lockerst du den zarten Griff
und öffnest mit der freien rechten Hand
den Knopf zu meiner Mitte. Dieser Kniff
grenzt an ein Wunder. Ich bin so entbrannt,

und so betäubt vor Lust und Glück,
dass ich dich wild und völlig willenlos
auf das Klavier und seine Tasten drück.
Du trägst kein Höschen, und dein Schoß

verlangt nach mir. Ich bin jetzt auch bereit.
Ich geh ein wenig in die weichen Knie
und füge mich in deine Weiblichkeit.
Was hör ich da? Welch süße Phantasie

erklingt aus jenem sturen Instrument,
das sich mir eben schnöd verweigert hat,
in diesem traumhaft lüsternen Moment?
Ich lausche still, doch du stöhnst nimmersatt:

„Ich ahnte, dass du wirklich virtuos
auf vielerlei Gerät zu spielen weißt.
Halt mich ganz fest und lass mich nicht mehr los,
bis du mich bald in einen Strudel reißt,

in dem ich frei von Sitte und Benimm
in einem Rausch von Gier und Energie
mit dir den Gipfel meiner Lust erklimm.
Stoß zu, wir vögeln eine Melodie.”

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